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24.01.2002 Der
"rollernde Photograph" Gustav Alexander Tahl Eher en passant stießen wir bei der Recherche zur Ausstellung über Pat und Patachon- Filme in Oldenburg auf Annoncen des Wall- Kinos, durch die in den 20er Jahren Filme über Oldenburg angekündigt wurden. Diese Filme sorgten durchweg für Begeisterung und enormen Zuschauerzuspruch und wurden in den "Nachrichten für Stadt und Land" ausführlich besprochen. Mit wachsendem Erfolg dieser Oldenburg- Filme wurde auch in Annoncen und im redaktionellen Teil der Zeitung der Name des Filmemachers bekannt gegeben: Es handelte sich um den Osternburger Photographen Gustav Alexander Tahl. An einem gewöhnlichen Sonntag fielen uns auf dem Flohmarkt einige alte Postkarten in die Hände, die einen Stempel von Gustav Tahls Photoatelier trugen. Außerdem war uns eine wunderbare Aufnahme des Wallkinos bekannt, das vergrößert schon in der Ausstellung über die Oldenburger Kinogeschichte 1992 zu sehen war. Auch hier war der Name Gustav Tahls eingeprägt. Diese Funde motivierten uns zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Leben und Wirken Gustav Tahls in der Stadt Oldenburg. 1998 fanden wir bei der Recherche zur Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Oldenburgs zwischen 1933 und 1945 Dokumente, die belegen, dass Tahl der jüdischen Religion angehörte. Am 24.2.1919 ließ er sich aus Liebe zu seiner zukünftigen Frau Margarethe Dora Meijer in Osternburg taufen. Mitte der dreißiger Jahre zwangen die Oldenburger Nationalsozialisten Tahl und seine Familie das Land zu verlassen. Als einziger Ausweg blieb die Flucht in die niederländische Stadt Winschoten. Auf der
weiteren Spurensuche fuhren wir nach Winschoten. Dort gelang es uns
durch die unbürokratische und engagierte Unterstützung des Stadtarchivars,
Kontakt zur Familie Tahl aufzunehmen. Aus dieser ersten Begegnung
entstand eine besondere persönliche Verbindung sowohl zu Tahls
Arbeit als auch zu seinen Nachfahren. Trotz sehr begrenzter personeller und finanzieller Möglichkeiten ist es uns gelungen, die Bearbeitung der Photos, die Recherche und Auswahl der Bilder in kurzer Zeit durchzuführen. Ohne die Bereitschaft von Friedel Tahl und Margot Rozema, geb. Tahl, uns das Material aus dem Nachlass Gustav Tahls zur Verfügung zu stellen, wäre das Projekt über den „rollernden Photographen" nicht zu Stande gekommen. Die vorliegende Arbeit versteht sich als Beitrag zur regionalen Mediengeschichte. Mit diesem Projekt möchten wir die regionale Film- und Mediengeschichte als festen Bestandteil der Kulturlandschaft unserer Stadt und Region verankern. Mit der Ausstellung und dem Bildband ist ein erster Schritt in der Dokumentationsarbeit des Tahlschen Werks unternommen worden. Die Arbeit ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen: Weitere Hinweise und Ergänzungen bezüglich des Materials sowie die Bereitstellung weiterer Fotos und Filme wären daher sehr hilfreich und dankenswert. Der
Leiter des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Dr.
Bernd Küster, hat mit der Bereitstellung der Räumlichkeiten im Schloss
einen würdigen Rahmen für die Präsentation der Ausstellung
geschaffen. Wir danken Herrn Küster für sein Engagement und Interesse. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung und die Oldenburger Landesbank wäre die Durchführung der Ausstellung und die Veröffentlichung nicht möglich gewesen.
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