Mit Saless in Amerika

.. Und dann lernte ich einen weiß angestrichenen Neger kennen, er kam aus Persien, er kam aus Frankreich, er kam aus Deutschland, wo es ihm fast noch schwerer fällt als mir, Geld für seine Fil­me aufzutreiben, für seine strengen Filme, die so schön sind, daß andere Filme als neckische Unter­wäsche erscheinen....

Um von diesem persischen Regisseur weiterzu­reden, der die besten deutschen Filme macht, so war er plötzlich da, und alles wurde leichter für mich. Da er Amerika nicht mochte, fiel es mir leichter, daran was zu finden.... Auf einer öffentli-- chen Diskussion schwiegen wir, weil einmal von den abwesenden Hauffs und Bohms geredet wur­de, und wie Herzog richtig meinte, die Amerika­ner noch nicht wahrnehmen könnten, daß es nicht nur schlichtweg einen deutschen Film gibt. So soll­te das Goethe-Institut eher dankbar sein, daß dieser Bayer und dieser Perser nicht sangen, sondern Whisky tranken....

Aber der Perser und der Bayer waren hingeris­sen von der großartigen Projektion ihrer Filme im Castro in San Francisco, das Kino steht seit 1913 stolz mit 1500 Plätzen, das war ganz was anderes als beispielsweise die schmuddeligen oder feinen Filmecken in München. Der persische Regisseur, der die besten deutschen Filme macht, heißt Sohrab Shahid Saless. Bei Tschechov, ist er der erste, der für mich eintreten würde? Im Kino Vox Venice sah ich seinen Dokumentarfilm DIE LANGEN FE­RIEN DER LOTTE H. EISNER. Achtung vor dem Kreativen, höre ich sie immer wieder sagen. Die Nazis schickten sie nach Paris in die Ferien, aber sie wollte bis heute nicht in ihr Vaterland zu­rück. Arm lebt sie mit drei Tassen, aber einem Geist, den die BRD bis heute nicht gebrauchen kann....

Ich versuchte mich in Kalifornien zu erholen, was mir beim Anblick des Pazifik auch stunden­weise gelang. Wenn man die Mädchen fragte, ob [Foto (links): Oliver Lentz] die Sonne hier immer so lieblich ist, waren sie ein jedesmal glücklich.... ,[Herbert Achternbusch: Es ist ein leichtes beim Gehen den Boden zu berühren 1979]

Wolkenkuckucksheim

Dieser [noch nicht gedrehte] Film ist Sohrab Shahid Saless gewidmet, dem weißen Neger, der an gebrochenem Herzen gestorben ist. Sein Film ORDNUNG ist mir gewidmet, was das ZDF weg­redigiert hat. Wir tranken gerne Whisky zusam­men. Prost! Mußt jetzt Deine Filme im Wolken­kuckucksheim drehen ...

[Herbert Achtembusch: Misslungen. Drehbücher. 1998]

 

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Seitenerstellung: Bernd Poch

Verantwortlich: Ali Farschid Zahedi

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