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Yek ettefaghe Sadeh Iran 1973, Der Alltag Mohammads, eines zehnjährigen Jungen in einer Hafenstadt am Kaspischen Meer. Die Mutter ist krank, der Vater lebt vom Schwarzhandel mit Fischen und trinkt. Der Junge geht zur Schule, ist aber kein guter Schüler. Mohammad lernt einfach nichts. In der Schule herrscht ein militaristisches System, in dem die Persönlichkeit kein Existenzrecht hat. Man muß sich daran gewöhnen, »niemand« zu sein. Eine Geschichte ohne Anfang und Ende. Ein Stück Leben ohne jedes Abenteuer. Das einfache Ereignis... ist der Tod der Mutter... oder vielleicht ist es der Kauf eines Anzugs für den Jungen oder der Besuch des Schul-Inspektors ... Eins ist sicher: Mohammad lebt in einem geschlossenen Universum. Er lebt dasselbe Leben wie sein Vater, und er wird dasselbe Ende erleben ...L.O.L., Chaplin 1/1974] ..... Haben Sie für Ihre Art Filme zu machen eigentlich bestimmte Vorbilder? Was mich sehr interessiert, ist die Art zu schreiben von Tschechov. Ich bemühe mich sehr, so zu filmen, wie er geschrieben hat. Ich weiß nicht, ob es mir gelingt. Die vielen langen und ruhigen Einstellungen, hat das auch damit zu tun? Ja freilich. Bei uns die Leute, die gehen nicht so schnell, die arbeiten nicht so schnell. Sie bewegen sich so langsam, sie sitzen stundenlang in der Sonne, schauen den Himmel an. Das hat uns gerade gefallen, dieser kontemplative Stil. Den iranischen Leuten hat er nicht gefallen. Sie fanden es zu langweilig. Ist denn im Iran der Hollywood-Film sehr stark? Überall im Kino nur zweitklassige amerikanische Filme, und auch Karate Filme. Und die persischen Filme, wo alle Leute miteinander glücklich werden und einander heiraten. Alle heiraten. Könnten Sie etwas über Ihren Zweiten Film sagen, der im Wettbewerb läuft? Der Film heißt STILLEBEN. Es gibt keinen Kameraschwenk, keine Kamerabewegung, von Anfang bis Ende. Der zweite Film ist auf einer professionelleren Basis entstanden? Der Film treibt keinen besonderen Aufwand, aber der Kameramann ist viel besser. Ist es der Methode nach eine Fortsetzung des ersten Films? Und auch eine Geschichte, die sich mehr aus der Realität entwickelt als aus der Fiktion? Ja. Es ist die Geschichte eines alten Eisenbahnwärters. Er lebt mit seiner alten Frau in einer gottverlassenen Gegend, wo der Zug nur noch vorbeifährt, nicht hält. Die Frau knüpft zu Hause Teppiche. Sie haben einen Sohn, der ist zum Militär gegangen. Und einmal kommt er auf Urlaub, kommt spät, trinkt einen Tee, schläft, ißt dann, schläft, und am nächsten Tag geht er weg. Und eines Tages kommt eine Kontrolle, die bemerkt, daß der Alte hier ist. Sie haben das ganz vergessen. Sie stellen ein paar Fragen: »Wie alt bist du, seit wann bist du hier?« Und gehen weg. Und später kommt ein Brief, daß er pensioniert worden ist. Das bedeutet nicht, daß er gar kein Geld mehr bekommt, aber es ist zu wenig. Und was für ihn besonders wichtig ist: daß er die Stelle verloren hat, an die er sich so gewöhnt hat. Eines Tages erscheint ein Neuer mit einem Koffer, ein Junger. Aber er läßt den Jungen nicht herein, den ganzen Tag bis in die Nacht. Der Junge sitzt draußen und schaut ihn an. Zum Schluß tut es dem Alten leid. Er holt den Jungen ins Zimmer und gibt ihm was zu essen. Am nächsten Tag geht er in die Stadt, um mit dem Chef zu sprechen, damit er vielleicht nicht pensioniert wird. Zuerst geht er in die falsche Richtung. Und als er das Amt findet, ist es zu. Damit er Mut bekommt, geht er in ein Cafe und trinkt Wodka. Später geht er wieder zum Amt und gibt seinen Brief dem Chef Und der sagt, das ist normal. Und der Film ist aus. [Interview mit Ullrich Gregor, Info-Blätter des Internationalen Forum des Jungen Films 1974] Seitenerstellung: Bernd Poch Verantwortlich: Ali Farschid Zahedi Iran, Filmemacher, Saless, Kino, Oldenburg, Melbeck, Oldenburg, Werkstattfilm |