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Nordwestzeitung, 24.2.2005 (Seite 33, Aus den Stadtteilen)
Ein
Stück vom "Muwi" lebt weiter
KINO Verein Werkstattfilm kauft Teile des Interieurs für Ausstellung
auf- Teppichhandel zieht ein
Der alte Vorführraum wird originalgetreu aufgebaut. Die
Ausstellung ist im Schloss zu sehen.
VON SUSANNE GLOGER
KREYENBRÜCK
- Lange war's ruhig in den Kreyenbrücker Lichtspielen: Nun ist wieder
Leben ins „Muwi" an der Cloppenburger Straße eingekehrt.
Maschinen machen mächtig Krach im alten Kinosaal. Das Gebäude wird
renoviert, denn hier zieht das Unternehmen
„Teppichland" ein. Inhaber Jens Köpke nennt Ende
Mai/Anfang Juni als Eröffnungsdatum.
Gewerkelt
wird auch oben im Vorführraum. Das komplette Inventar hat der Verein
Werkstattfilm gekauft. An den Projektoren schraubt ein Profi herum; Günter
Loof, 20 Jahre Filmvorführer im Wall-Kino und nun im Ruhestand, baut
die alten Geräte auseinander. „Sonst kriegen wir die gar nicht die
schmale Stiege hinunter", erklärt der Vereinsvorsitzende Ali
Zahedi.
Profis
am Werk: Der ehemalige Filmvorführer Günter Loof (links) baut die
alten Projektoren auseinander. Für die Zwischenlagerung der vielen
Exponate aus dem "Muwi" musste Ali Zahedi eine Garage
anmieten. BILD: GLOGER
Jedes Detail wird auf
Fotos festgehalten, denn der Raum soll originalgetreu wieder aufgebaut
werden. „Von Kopf bis Fuß auf Kino eingestellt" heißt die
Ausstellung, die Werkstattfilm von September bis Dezember im, Landesmuseum
im Schloss zeigen wird. Da ist dann auch der Vorführraum zu sehen.
„Wir präsentieren dort die regionale Filmgeschichte von 1886 bis
zur Gegenwart", erklärt Ali Zahedi. Mit den neuen Exponaten
aus dem alten „Muwi" könne Kino zum Anfassen gezeigt werden.
„So wird die Historie auch für jüngere Generationen
nachvollziehbarer."

Kinogeschichte,
das sei auch ein Stück Stadtgeschichte, betont Zahedi. Und daran seien
die Oldenburger stets interessiert. Das hätten allein die fast
6000 Besucher bewiesen, die vor zwei Jahren die
Werktstattfilm-Ausstellung „Momentaufnahmen: Oldenburg in
den 50er- und 60er-Jahren" im Schloss besuchten.
Ein
Blick in die Geschichte des „Muwi": Die begann am 3. Dezember
1954 mit dem Film „Der Zigeunerbaron".
Dazu
gab es kleine Sensationen: eine Klimaanlage, einen Parkplatz und einen
bewachten Fahrradkeller. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Markt fürs
Vorstadtkino eng. Am 15. März 1999 öffnete sich der Vorhang zum
letzten Mal. Ein unspektakulärer Abschied: Zum Finale waren nur sechs
der 206 Plätze besetzt.
Schon
damals interessierte sich Zahedi für das Kino. Der Verein Werkstattfilm
warb für die Gründung eines Filmclubs, und auch der damalige
Besitzer des Gebäudes, Helmut Haßfurther, gab grünes Licht für das
Vorhaben, dort einen Stadtteilkulturtreff zu gründen. Letztlich wurde
aus dem Plan nichts. Das Kino dämmerte vor sich hin.
So langsam leert sich das Gebäude.
Der größte Teil der Bestuhlung wurde bei einem Flohmarkt verkauft.
Vorhang, Leinwand und weiteres Interieur sind in den Besitz von
Werkstattfilm übergegangen. „Zur Zwischenlagerung haben wir extra
eine Garage gemietet", erzählt Ali Zahedi. Mangelnder Platz
macht dem Verein in seiner Geschäftstelle an der Staustraße 18
ohnehin
zu schaffen. Der Vorsitzende hat die Stadt bereits bei der Suche nach
neuen Räumen (zur Miete) um Hilfe gebeten. „Man will uns unterstützen",
freut sich Zahedi. Bis April soll er Bescheid bekommen, ob es Möglichkeiten
gibt, Platz für eine Dauerausstellung, fürs Archiv und Büros zu
finden.
Und
wenn's nicht klappt? „Dann müssen wir uns aus Oldenburg zurückziehen
und es hier nur noch bei der Filmproduktion belassen."
Kommentar
"Werkstattfilm": Ein feiner Bericht, der vieles zur
Sprache bringt. Abgesehen von der chronischen Unterfinanzierung des
Vereins, die eine für Außenstehende immer wieder verblüffende
Selbstausbeutung der Agierenden im Verein zur Folge hat, kommt unsere
Raumnot zur Sprache, die mittlerweile zur Existenzfrage geworden ist.
Vor langen Jahren schon (zur Zeit des Dezernenten Seeber) hat der
Kulturausschuss der Stadt Oldenburg der Verwaltung den Auftrag erteilt,
dem Verein in der Raumfrage Unterstützung zu gewähren - dies wurde
konsequent ignoriert. Mittlerweile hat der Verein einige sehr
erfolgreiche Ausstellungen und Projekte durchgeführt, stößt jetzt
aber an die Grenzen des Erträglichen. Die "Muwi"- Aktion hat
gezeigt, dass es so einfach nicht mehr weitergehen kann. Auch das
Landesmuseum, das uns Raum gibt für die immer gut besuchten
Ausstellungen, konnte uns für die im Herbst geplante Ausstellung keinen
Lagerraum zur Verfügung stellen, sodass wir von der GSG (vielen Dank
für die schnelle Hilfe !) eine Garage anmieten mussten, wo jetzt die
Gerätschaften lagern (siehe Fotos) - ein unhaltbarer Zustand ! |